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die Schrift im Zusammenhang entdecken

BIBLISCHER KALENDER

Zeit, die Gott schenkt.
Seine Ordnung verstehen.

Tage, Wochen, Monate und Jahre: Wir entdecken die biblische Zeitordnung und erklären, woran wir als Gemeinschaft unsere Festtermine festmachen.

Warum ein biblischer Kalender?

Schon bei der Schöpfung hat Gott der Zeit eine Ordnung gegeben. Sonne, Mond und Sterne dienen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten, Tagen und Jahren. Wir erkennen darin die Weisheit unseres Schöpfers: Er hat uns eine verlässliche Grundlage geschenkt, an der wir uns orientieren können (1.Mose 1:14-18).

Diese Ordnung ist auch für die biblischen Feste wichtig. Gott hat ihre Termine nicht unserer Beliebigkeit überlassen. Er bestimmt den Beginn der Monate für Israel und nennt konkrete Tage, an denen seine Feste gefeiert werden sollen (2.Mose 12:2, 3.Mose 23:4-6). Der biblische Kalender hilft uns deshalb, diese von ihm festgesetzten Zeiten zu erkennen und unser gemeinsames Leben danach auszurichten.

Für uns bedeutet das mehr als das Berechnen von Festterminen. Wir möchten Gottes Ordnung kennenlernen, seiner Einladung folgen und zu den Zeiten zusammenkommen, die er dafür bestimmt hat. Seine Feste schenken uns Gelegenheit, seiner Taten zu gedenken, ihm zu danken und gemeinsam in seinem Wort zu wachsen.

Der Tag - von Abend zu Abend

Schon im Schöpfungsbericht unterscheidet Gott zwischen Licht und Finsternis, zwischen Tag und Nacht. Über den ersten Schöpfungstag heißt es: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der erste Tag.“ Diese wiederkehrende Abfolge von Abend und Morgen bildet für uns die Grundlage, einen vollständigen Tagesabschnitt vom Abend her zu verstehen. (1.Mose 1:5)

Besonders deutlich wird diese Zählung beim Versöhnungstag. Gott bestimmt ihn für den zehnten Tag des siebten Monats und gebietet, sich vor ihm zu demütigen. Die Feier beginnt bereits am Abend des neunten Tages und dauert bis zum folgenden Abend. Damit umfasst auch das mit diesem Tag verbundene Fasten einen Zeitraum von Abend zu Abend. (3.Mose 23:27-32)

An diesen biblischen Hinweisen orientieren wir uns: Mit dem Sonnenuntergang beginnt für uns der neue Tag; mit dem folgenden Sonnenuntergang endet er. So begehen wir beispielsweise den Schabbat vom Freitagabend bis zum Samstagabend. Auch Nehemia berichtet, dass die Tore Jerusalems bei einbrechender Dunkelheit vor dem Schabbat geschlossen wurden, um seine Ruhe zu schützen. (Nehemia 13:19)

Die Woche - ihr Höhepunkt ist der Schabbat

Schon in der Schöpfung gibt Gott der Woche ihre Ordnung: Auf sechs Schöpfungstage folgt der siebte Tag, an dem Gott von seinem Werk ruht. Er segnet diesen Tag und heiligt ihn. Damit ist der Höhepunkt der Woche eine geschenkte Zeit der Ruhe und der Gemeinschaft mit unserem Schöpfer. (1.Mose 2:2-3)

In seinen Geboten nennt Gott diesen Ruhetag Sabbat, auf Hebräisch Schabbat. Sechs Tage sind für die Arbeit bestimmt; der siebte ist der Schabbat des HERRN. Die Ruhe soll auch Kindern, Beschäftigten, Fremden und Tieren zugutekommen. Unter seinen Festzeiten nennt Gott den Schabbat außerdem als Tag einer heiligen Versammlung. (2.Mose 20:8-11; 3.Mose 23:3)

Wir folgen deshalb einem fortlaufenden Sieben-Tage-Rhythmus. Die Woche beginnt für uns nicht bei jeder Neumondsichtung neu. Sechs Arbeitstage führen zum siebten Tag, den Gott für die Ruhe ausgesondert hat.

Die Wochenfolge mit unseren heutigen Tagesnamen
  1. 1.TagSonntag
  2. 2.TagMontag
  3. 3.TagDienstag
  4. 4.TagMittwoch
  5. 5.TagDonnerstag
  6. 6.TagFreitag
  7. 7.TagSamstagSchabbat

Der Name Mittwoch passt genau zu dieser Reihenfolge: Drei Tage liegen davor und drei danach. Seine ursprüngliche Bedeutung „Mitte der Woche“ bewahrt eine ältere Wochenzählung mit Sonntag als erstem Tag. Auch andere Sprachen erinnern im Namen des Samstags an den Schabbat: Auf Portugiesisch heißt er sábado, auf Polnisch sobota. Beide Bezeichnungen gehen über sprachliche Zwischenstufen auf das hebräische Wort für den Ruhetag zurück. Diese Namen ergänzen als sprachgeschichtliche Hinweise die biblischen Aussagen. (Duden: Mittwoch; Priberam: sábado; Polnisches Wörterbuch: sobota)

Der Schabbat in der Nachfolge Jesu

Jesus besuchte nach seiner Gewohnheit am Schabbat die Synagoge. Auch die Apostelgeschichte berichtet, dass Paulus und Barnabas an diesem Tag Gottes Wort verkündigten und Menschen zum Hören zusammenkamen. In Korinth sprach Paulus an jedem Schabbat in der Synagoge zu Juden und Griechen. Der Schabbat gehört damit zum biblischen Umfeld Jesu und der ersten Gemeinden. (Lukas 4:16; Apostelgeschichte 13:14,42-44; Apostelgeschichte 18:4)

Beim Apostelkonzil werden den Menschen aus den Völkern zunächst vier grundlegende Anforderungen genannt: Sie sollen sich von Verunreinigung durch Götzen, Unzucht, Ersticktem und Blut enthalten. Anschließend verweist Jakobus darauf, dass Mose an jedem Schabbat in den Synagogen vorgelesen wird. Wir verstehen diese Verbindung als Hinweis auf einen beginnenden und weiterführenden Lernweg: Die Neubekehrten wenden sich von bestimmten heidnischen Praktiken ab und wachsen durch regelmäßige Unterweisung im Verständnis von Gottes Wort. Die vier Anforderungen bilden nach unserem Verständnis keine abschließende Liste aller Gebote. Sie fördern zugleich die Gemeinschaft zwischen jüdischen und nichtjüdischen Gläubigen. (Apostelgeschichte 15:19-21)

Dabei unterscheiden wir zwischen dem Grund unserer Rettung und unserem Leben als Nachfolger: Wir werden durch die Gnade unseres Herrn Jesus gerettet. Aus dieser Gnade heraus möchten wir seine Gebote halten und so wandeln, wie er gewandelt ist. Wir begleiten einander geduldig beim Lernen und beim Umsetzen seiner Weisungen. (Apostelgeschichte 15:11; Johannes 14:15; 1.Johannes 2:3-6)

Wie der Sonntag zum verbreiteten Ruhetag wurde

Im Laufe der Geschichte wurde in vielen christlichen Traditionen der Sonntag zum zentralen Gottesdienst- und Ruhetag. Bereits im zweiten Jahrhundert beschreibt Justin der Märtyrer Sonntagsversammlungen und begründet sie mit dem ersten Schöpfungstag und der Auferstehung Jesu. Zugleich vertritt er die Auffassung, dass Gottes Schabbat- und Festgebote für Christen nicht verbindlich seien. Seine Schriften enthalten außerdem deutlich antijüdische Aussagen. Deshalb betrachten wir ihn als historischen Zeugen einer damaligen Praxis und prüfen seine theologischen Aussagen an der Schrift. (Justin, Erste Apologie, Kapitel 67; Dialog mit Tryphon, Kapitel 11-19)

Im Jahr 321 n.Chr. ordnete Kaiser Konstantin Sonntagsruhe an, die auch die Schließung der Gerichte umfasste. Damit erhielt der Sonntag zusätzlich eine staatliche Stellung als Ruhetag. Christliche Sonntagsversammlungen bestanden bereits vorher; ihre Entwicklung lässt sich deshalb nicht auf dieses eine Gesetz zurückführen. (Historische Untersuchung zum Sonntagsgesetz Konstantins)

Eine Versammlung am ersten Wochentag ist auch in Apostelgeschichte 20:7 beschrieben. Der Abschnitt enthält jedoch keine ausdrückliche Anordnung, den Schabbat auf diesen Tag zu verlegen. Das Schabbatgebot bezeichnet weiterhin den siebten Tag als den Ruhetag des HERRN. (Apostelgeschichte 20:7-11; 2.Mose 20:8-11)

Ein Gebot, das wir mit Freude ehren

Das Schabbatgebot gehört zu den Zehn Geboten und wird in der Schrift mehrfach mit besonderem Ernst hervorgehoben. Gott erklärt den Schabbat für heilig und fordert Israel eindringlich dazu auf, ihn zu bewahren. Deshalb möchten wir diesem Gebot mit Ehrfurcht und Freude begegnen. Gott selbst hat uns in der Schöpfung das Vorbild gegeben, indem er am siebten Tag ruhte, ihn segnete und heiligte. (2.Mose 20:8-11; 2.Mose 31:12-17; 1.Mose 2:2-3)

Jesus erklärt, dass er gekommen ist, das Gesetz und die Propheten zu erfüllen. Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird kein Buchstabe und kein Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Er betont außerdem die Bedeutung des Tuns und Lehrens der Gebote. Darin erkennen wir als Gemeinschaft eine Bestätigung, Gottes Weisungen weiterhin zu achten und danach zu leben. (Matthäus 5:17-19)

Wir loben unseren HERRN gerne an jedem Tag, beten zu ihm und lesen sein Wort. Auch gemeinsame Treffen an anderen Wochentagen sind uns willkommen. Besonders am Schabbat möchten wir jedoch die von Gott geheiligte Ruhe und das Gebot der Versammlung ehren. Deshalb begehen wir ihn vom Freitagabend bis zum Samstagabend und freuen uns auf die gemeinsame Schriftlesung, das Gebet und den brüderlichen Austausch. Wir folgen dabei dem Vorbild unseres Schöpfers und dem Weg Jesu und seiner Apostel. Der Schabbat ist für uns ein kostbares Geschenk, das wir dankbar bewahren möchten.

Der Monat - der Mond als Zeichen der Zeit

Gott hat die Lichter am Himmel zur Bestimmung von Zeiten, Tagen und Jahren eingesetzt. Besonders der Mond wird mit den festgesetzten Zeiten verbunden: Psalm 104 beschreibt, dass Gott ihn für diese Zeiten gemacht hat. Auch die Monatsanfänge besitzen in der Torah eine besondere Bedeutung; Gott ordnet für sie eigene Opfergaben an. Der Mondlauf gehört damit zur biblischen Ordnung der Monate und Festzeiten. (1.Mose 1:14-18; Psalm 104:19; 4.Mose 28:11-15)

Als Gemeinschaft orientieren wir uns am Sichtbarwerden der ersten neuen Mondsichel nach der dunklen Mondphase. Unter „Neumondsichtung“ verstehen wir dieses erste sichtbare Zeichen des erneuerten Mondes. Nach unserem Verständnis kennzeichnet es den Beginn des neuen Monats. Von diesem Monatsanfang aus zählen wir die Tage, an denen Gottes Feste stattfinden.

Eine solche Bestimmung durch Beobachtung ist auch historisch bezeugt: Die Mischna beschreibt, wie Zeugen über die von ihnen gesehene Mondsichel befragt wurden und wie ihre Aussagen zur Feststellung des Monatsanfangs dienten. Diese Quelle dokumentiert die Sichtungspraxis, während die Torah selbst deren einzelne Verfahrensschritte nicht ausführlich erklärt. (Mischna Rosch Haschana 2:6-7)

Unser Neumondplaner begleitet euch dabei, die Beobachtung des Mondes und die Monatsanfänge näher kennenzulernen. Berechnungen können helfen, eine Beobachtung vorzubereiten; eine erwartete Sichtbarkeit ist jedoch noch keine tatsächlich bestätigte Sichtung. Für unsere Orientierung sind deshalb die Beobachtung und nachvollziehbare Sichtungsberichte entscheidend.

So möchten wir Gottes Zeitordnung bewusst wahrnehmen und unsere Festvorbereitung an den Zeichen ausrichten, die er in seiner Schöpfung gegeben hat.

Das Jahr - ein Anfang im Frühling

Gott bestimmt den Monat des Auszugs aus Ägypten zum ersten Monat des Jahres. Er erklärt Mose und Aaron, dass dieser Monat den Anfang ihrer Monatszählung bilden soll. Die Torah nennt ihn Abib, auch Aviv geschrieben. Der Beginn dieser biblischen Monatszählung liegt damit in der Frühlingszeit im Land Israel. (2.Mose 12:1-2; 2.Mose 13:4)

Abib bezeichnet Ähren beziehungsweise einen Entwicklungszustand des Getreides. Der Name verbindet den ersten Monat mit dem Wachstum auf den Feldern. Gott fordert Israel ausdrücklich auf, den Monat Abib zu beachten und darin das Pessach zu halten. Auch die folgenden Erntefeste zeigen, dass die Festzeiten mit dem landwirtschaftlichen Jahreslauf verbunden bleiben sollen. (Abib: Bedeutung des Namens; 5.Mose 16:1,9-15)

Für uns liegt darin ein schönes Bild: Das Jahr beginnt mit einer Zeit des Aufblühens, des Wachstums und der bevorstehenden Ernte. Die Natur im Land Israel tritt aus der kühleren Jahreszeit hervor und neues Leben wird sichtbar. Anders als beim heute üblichen Jahreswechsel am 1.Januar orientiert sich dieser Anfang an der Frühlingszeit. Entscheidend ist dabei Gottes Bestimmung des Monats Abib; das Blühen einzelner Pflanzen an unserem Wohnort legt den Jahresanfang nicht fest.

In späteren biblischen Büchern begegnet für diesen Monat der Name Nisan, beispielsweise in Nehemia 2:1. Diese Bezeichnung stammt aus dem babylonischen Kalender und wurde im Zusammenhang mit dem babylonischen Exil übernommen. Abib und Nisan bezeichnen somit denselben ersten Monat mit unterschiedlichen Namen: Abib verweist auf die Ährenzeit, Nisan ist die später gebräuchliche Monatsbezeichnung. (Nehemia 2:1; Geschichte der Monatsnamen)

Bei unserer Kalendergestaltung betrachten wir deshalb den Mondlauf und die Frühlings- und Erntezeit im Land Israel zusammen. So bleiben die Monatszählung und Gottes Festzeiten mit dem Jahreslauf verbunden. Der erste Monat erinnert uns zugleich an Gottes Befreiung seines Volkes aus Ägypten: Unser Jahr beginnt mit dem Gedenken an seine rettende Macht und seine Treue.

Woran machen wir die Festtermine fest?

Wir möchten Gottes Feste zu den Zeiten feiern, die er in seinem Wort bestimmt hat. Deshalb beginnen wir bei den Monats- und Tagesangaben der Torah. Gott nennt seine Festzeiten und fordert sein Volk auf, sie zu ihrer bestimmten Zeit auszurufen. Unsere Kalendergestaltung soll diesen Vorgaben dienen und uns helfen, seine Einladungen bewusst wahrzunehmen. (3.Mose 23:4-8,23-34)

Als Gemeinschaft orientieren wir uns dabei an der Sichtung der ersten neuen Mondsichel in Israel und berücksichtigen für den Jahresanfang die Abibzeit und den Entwicklungsstand der Gerste im Land Israel. Wir verstehen diese Verbindung von Mondlauf und Erntezeit als einen Weg, den biblischen Festkalender anhand der Zeichen in Gottes Schöpfung nachzuvollziehen.

Warum wir den Mond beobachten

Schon im Schöpfungsbericht bestimmt Gott die Lichter am Himmel als Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre. Psalm 104 verbindet den Mond ausdrücklich mit den festgesetzten Zeiten. Die Torah ordnet außerdem besondere Opfer für die Monatsanfänge an. Der Mond und die Erneuerung der Monate besitzen damit eine erkennbare Bedeutung für die biblische Zeitordnung. (1.Mose 1:14-18; Psalm 104:19; 4.Mose 28:11-15)

Die Torah beschreibt allerdings kein vollständiges Verfahren zur Beobachtung der ersten Sichel. Unsere Entscheidung für die Sichtung beruht deshalb auf unserem Verständnis dieser biblischen Zusammenhänge und auf der historisch bezeugten Praxis. Wir möchten das erneute Sichtbarwerden des Mondes als beobachtbares Zeichen des Monatsanfangs ernst nehmen.

Unter Neumondsichtung verstehen wir die erste sichtbare Sichel nach der dunklen Mondphase. Eine berechnete Erwartung ihrer Sichtbarkeit kann die Beobachtung vorbereiten. Sie ist aber noch keine tatsächlich bestätigte Sichtung. Deshalb unterscheiden wir zwischen einer Vorhersage und einem nachvollziehbaren Beobachtungsbericht.

Wie Monatsanfänge früher festgestellt wurden

Die Mischna beschreibt, wie Zeugen über ihre Mondsichtung befragt wurden. Dabei ging es beispielsweise um die Stellung und das Aussehen der Sichel. Nach der Prüfung erfolgte die öffentliche Heiligung des Monats durch das zuständige Gericht. Die Sichtung war somit eine wesentliche Grundlage des Verfahrens; die Prüfung und Bekanntgabe ermöglichten eine gemeinsame, verbindliche Festzählung. (Mischna Rosch Haschana 2:6-7)

Nachrichten über den festgestellten Monatsanfang wurden auch an Gemeinden außerhalb des Landes weitergegeben. Die Quellen berichten zunächst von Feuerzeichen und später von ausgesandten Boten. Die Gemeinden in der Diaspora waren dadurch mit der Kalenderfeststellung im Land Israel verbunden. (Mischna Rosch Haschana 2:2-4)

Heute fehlt eine allgemein anerkannte zentrale Instanz, die dieses frühere Verfahren für alle Gemeinden verbindlich fortführt. Wir beanspruchen deshalb keine entsprechende Autorität. Für unsere Gemeinschaft prüfen wir verfügbare Sichtungsberichte und legen unsere Orientierung offen.

Den Einwand, ohne Sanhedrin könne man überhaupt keine Festtermine bestimmen, beantworten wir so: Das frühere Gericht erfüllte eine wichtige Aufgabe der Prüfung und gemeinsamen Feststellung. Sein Fehlen beseitigt nach unserem Verständnis jedoch weder Gottes Festgebote noch die Zeichen seiner Schöpfung. Wir bemühen uns daher um eine verantwortliche Anwendung der biblischen Grundlagen unter den heutigen Bedingungen.

Warum die Sichtung in Israel für uns maßgeblich ist

Gottes Festgebote stehen in einem besonderen Zusammenhang mit dem Land Israel und dem von ihm erwählten Ort der Anbetung. Für Pessach, Schawuot und Sukkot ordnet die Torah das Erscheinen vor dem HERRN an diesem Ort an. Die Festzeiten waren damit auch Zeiten gemeinsamer Zusammenkunft und Wallfahrt. (5.Mose 16:1-17)

Darin erkennen wir einen Grund, Israel auch für unsere Kalendergestaltung als gemeinsamen Bezugspunkt zu nehmen. Dieses Verständnis wird durch die historischen Berichte über die Übermittlung der Monatsanfänge an auswärtige Gemeinden ergänzt: Die Festzählung sollte diese Gemeinden mit dem Zentrum der gemeinsamen Anbetung verbinden.

Die erste Sichel kann aufgrund unterschiedlicher geografischer und atmosphärischer Bedingungen an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeitpunkten sichtbar werden. Eine örtliche Sichtung in Deutschland oder einem anderen Land ist deshalb nicht automatisch mit einer Sichtung in Israel gleichzusetzen. Für unsere Gemeinschaft möchten wir einen einheitlichen Bezugspunkt bewahren.

Dass wir in Deutschland leben, bedeutet für uns daher nicht, dass wir einen eigenen Monatsanfang anhand der örtlichen Sichtbarkeit festlegen müssen. Wir richten die Monatszählung nach den von uns geprüften Berichten aus Israel aus; den Beginn und das Ende unserer Festtage beachten wir dagegen am jeweiligen Aufenthaltsort von Abend zu Abend.

Diese Entscheidung ist unsere begründete Auslegung. Die Torah enthält keine ausdrückliche geografische Vorschrift zur Sichtung der ersten Sichel.

Warum wir die Gerste und die Abibzeit beachten

Gott bestimmt den Monat des Auszugs aus Ägypten zum ersten Monat. Die Torah nennt ihn Abib und fordert ausdrücklich dazu auf, diesen Monat zu beachten und darin Pessach zu halten. Abib bezeichnet die Ährenzeit beziehungsweise einen Entwicklungszustand des Getreides. Auch die Darbringung der ersten Erntegabe verbindet die Festzeiten mit dem landwirtschaftlichen Jahreslauf im Land Israel. (2.Mose 12:1-2; 2.Mose 13:4; 5.Mose 16:1; 3.Mose 23:10-14)

Deshalb betrachten wir für den Jahresanfang neben dem Mond auch den Entwicklungsstand der Gerste in Israel. Wir möchten den ersten Monat mit der biblischen Abibzeit verbinden und verhindern, dass die Frühlingsfeste durch eine reine Mondzählung durch die Jahreszeiten wandern.

Auch historische rabbinische Quellen nennen die Getreideentwicklung als Kriterium für die Einschaltung eines zusätzlichen Monats. Sie berücksichtigen daneben weitere Faktoren, darunter die Entwicklung der Baumfrüchte und den Sonnenjahreslauf. Die Gerste war somit ein wichtiges Kriterium, aber nicht das einzige. (Talmud Sanhedrin 11b)

Die Torah legt kein vollständiges Verfahren für heutige Gerstenprüfungen fest. Darum sind sorgfältige Beobachtung, nachvollziehbare Berichte und ein verantwortlicher Umgang mit unterschiedlichen Einschätzungen wichtig.

Warum wir den berechneten Kalender nicht als Grundlage wählen

Der heute gebräuchliche jüdische Kalender legt die Monatsanfänge und Schaltjahre durch feste Berechnungsregeln fest. Er ermöglicht langfristige Planung und eine weitgehend gemeinsame Festbegehung weltweit. Diese praktischen Vorteile erkennen wir an.

Dieser Kalender wird häufig als Hillelkalender bezeichnet und traditionell mit Hillel II. verbunden. Seine heutige Form entstand jedoch über einen längeren geschichtlichen Entwicklungsprozess. Die verbreitete Vorstellung, sämtliche heutigen Regeln seien bereits im vierten Jahrhundert auf einmal eingeführt worden, wird durch die historische Forschung nicht bestätigt. (Sacha Stern: Entwicklung des rabbinischen Kalenders)

Für unsere Gemeinschaft wählen wir dennoch die Beobachtung als Grundlage. Wir möchten die Monatsanfänge mit dem tatsächlich sichtbaren Mond und den Jahresanfang mit der beobachteten Abibzeit in Israel verbinden. Berechnungen helfen uns dabei als Vorbereitung und zur Prüfung der Plausibilität von Berichten.

Auch der Wunsch nach Einheit ist für uns wichtig. Er erklärt die Stärke eines gemeinsamen berechneten Kalenders, entscheidet aber für sich allein noch nicht, welches Verfahren den biblischen Grundlagen am besten entspricht. Unsere Entscheidung für die Sichtung soll deshalb sorgfältig begründet sein und mit Respekt gegenüber Menschen einhergehen, die zu einem anderen Kalenderverständnis gelangen.

Wie wir unsere Termine bekanntgeben

In unserem Neumondplaner möchten wir euch bei der Orientierung begleiten. Erwartete Monatsanfänge und Festdaten behandeln wir zunächst als vorläufig, solange die für unsere Festlegung maßgeblichen Beobachtungen noch nicht bestätigt sind.

Auch Beobachtung wirft praktische Fragen auf: Bewölkung, widersprüchliche Berichte und unterschiedliche Einschätzungen des Gerstenstands können die Festlegung erschweren. Diese Schwierigkeiten nehmen wir ernst. Unser Ziel ist, die verwendeten Berichte und unsere Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.

So möchten wir Gottes Festzeiten mit Ehrfurcht, Freude und einem lernbereiten Herzen feiern. Unsere Orientierung bleibt sein Wort; unseren Umgang mit Beobachtungen und historischen Quellen prüfen wir daran.

VON DER ZEITORDNUNG ZUM GEMEINSAMEN FEIERN

Gottes Festzeiten kennenlernen

Welche Feste nennt die Schrift, was bedeuten sie und wie begehen wir sie als Gemeinschaft? Auf unserer Festtagsseite findet ihr die einzelnen Feste, ihre biblischen Grundlagen und die passenden Lesepläne.